Aktuelles 2006       

 

Tita Böhnchen mit Zylinder

Jahrbuch 2007 des Geschichtsvereins Monschauer Land liegt vor. 24 Autoren sorgen für eine bunte Themenvielfalt im „Heimatkalender.“

Nordeifel. Das Titelbild fällt gleichsam aus dem bisher üblichen Rahmen: Statt (gemalte) Landschaftsbilder oder Bildmotive aus der Monschauer Altstadt schmückt nun eine Person das Titelblatt des Jahrbuches 2007: Das Bild, von einem unbekannten Künstler gemalt, zeigt einen „Herrn“ mit Zylinder und zerschlissener Weste, der über dem rechten Unterarm, wie ein Kellner die Serviette, den Bettelsack trägt. Der „Herr“, das ist der Sonderling Christian Bohnen auch „Tia Bohna“ oder „Tita Böhnchen“ genannt, „ein fast vergessenes Monschauer Original“ wie es auch im Titel des Beitrages von Hans-Gerd-Lauscher heißt, aus dessen Sammlung das Bild stammt. Er beschreibt in der Titelgeschichte einen Monschauer Hausierer, Bettler, Sonderling, der von 1845 bis 1918 im „Städtchen“ in Monschau lebte.
Das Jahrbuch 2007: Es wird in der gewohnt hohen Qualität vorgelegt. Auf 276 Seiten insgesamt kommen 24 Autoren zu Wort, sie berichten und erzählen aus der Vergangenheit und vermitteln neue Einblicke in das Leben und Werden der Nordeifel. Da geht es um die Arbeitsbedingungen der Tagelöhner auf Reichenstein, um die Flößerei auf der Rur.
Höchst aufschlussreich der Beitrag über das Reichsarbeitsdienstlager in Paustenbach. Das Jahrbuch beeindruckt durch seine Fülle an Beiträgen in sechs verschiedenen Themenkreisen wie Geschichtliches, Miterlebtes und Volkskundliches.
Zuschuss des Kreises
Herausgeber des Buches ist der Geschichtsverein für das Monschauer Land, verlegt wird es nach alter Tradition im Weiss-Verlag, dessen Verlagsleiter Alexander Lenders das Jahrbuch nun im Lokal „Zur Buche“ in Mützenich präsentierte. Seinen Dank richtete Lenders vor allem auch an den Kreis Aachen, der die Herausgabe jährlich mit einem Zuschuss unterstützt.
Dieser Zuschuss sei durchaus gerechtfertigt, sagte der stellvertretende Landrat, der die hohe Qualität des Jahrbuches lobte. Ein weiterer wichtiger Grund, dass das Jahrbuch (Auflage 4500) für 4,60 Euro verkauft werden kann: Viele Geschäftsleute und Handwerksbetriebe unterstützen das Projekt durch Anzeigen, dies diesmal insgesamt 74 Seiten umfassen. Auch die Anzeigen bieten interessanten Lesestoff, geben sie doch ein Stück weit Einblick in das aktuelle Wirtschaftsleben der Region Nordeifel. Verantwortlich für Redaktion und Gestaltung ist Helga Giesen aus Roetgen, die nun ihr 10. Jahrbuch vorlegte und dafür Beifall und Anerkennung verdient. Ihr Wunsch für das nächste Jahrbuch: Mehr Frauen sollten an dem Jahrbuch mitarbeiten.
Unter den 24 Autoren ist in diesem Jahr nur eine Frau, nämlich Sofie Lange, die an das Leben und Wirken der Ärztin Dr. Maria Hamacher erinnert.
Eine Chronologie erinnert an die wichtigsten Ereignisse von September 2005 bis August 2006. Ab sofort ist der „Heimatkalender“ 2007 im Handel zu haben. Zudem wird es demnächst auch von Haus zu Haus angeboten. (rpa)

 

 

 

Merkwürdigkeiten“ aus früherer Zeit gesammelt

Bernd Läufer, der 2. Vorsitzende des Geschichtsvereins Monschauer Land, hat die Chronik von Lammersdorf, Zweifall und Mulartshütte als Buch zusammengestellt. Einblicke in das Leben der Menschen vor über 150 Jahren.
Lammersdorf. Der Schnee lag mannshoch, selbst die Landstraßen waren unpassierbar. Ein „stinkender Nebel“ lag über dem Land und es war, „als wäre es stets Abenddämmerung“. Und dann wurden viele Menschen krank, eine neue Krankheit, die bis dahin noch kaum bekannt war, machte den Menschen hier schwer zu schaffen: die Grippe. Die Symptome sind in der Lammersdorfer Gemeindechronik unter dem Jahr 1837 notiert: stechendes Kopfweh, Frieren am ganzen Leibe, starkes Husten, Unlust zum Essen. Als Mittel dagegen: ein warmes Bier mit Eidotter, starker Kamillentee, ein Punsch, um das Schwitzen zu fördern. In Lammersdorf waren damals in nur einer Woche 160 Menschen an der Grippe erkrankt.
 Eine andere merkwürdige Begebenheit in jener Zeit in Lammersdorf, die in der Chronik notiert, aber nicht weiter erläutert wird: Am 22. März 1838 „sind morgens drei Sonnen am Himmel gesehen worden“.
Die Gemeindechronik von Lammersdorf, Zweifall und Mulartshütte für die Jahre 1813 bis 1851: Dr. Bernd Läufer aus Lammersdorf, studierter Germanist, hat aus der Chronik eine Dokumentation gemacht und nun als Buch veröffentlicht, es ist ein bedeutsames Lesebuch mit Geschichte und Geschichten der Menschen in damaliger Zeit. Die Chronik gibt beredten Einblick in das Leben und Arbeiten der Menschen, in ihre Sorgen, Nöten und Hoffnungen, in ihren Alltag; die Chronik ist in vielen Bereichen auch ein „Wetterbericht“ aus jenen Jahren. Deutlich wird dabei, dass die Winter früher oft sehr viel Schnee und große Kälte brachten, dass die Menschen sogar darunter litten; auch forderte der Winter mitunter Todesopfer.
 Der Titel des Buches: „Nachrichten der merkwürdigsten Begebenheiten“. Der Geschichtsverein Monschauer Land hat die Publikation in seine Schriftenreihe „Beiträge zur Geschichte des Monschauer Landes“ aufgenommen und es durch die Finanzierung des Projektes erst möglich gemacht, „dass diese wertvolle Chronik nun der Öffentlichkeit zugänglich ist“, betonte Dr. Läufer, als er nun vor rund 40 geladenen Gästen das Werk im Lammersdorfer Pfarrheim vorstellte.
 „Ein Glücksfall“
Bernd Läufer ist inzwischen auch 2. Vorsitzender des Geschichtsvereins des Monschauer Landes. Da sei es ein besonderer Glücksfall, dass der neue 2. Vorsitzende sich gleich mit einer großen Dokumentation in sein Amt einführe, lobte Dr. Elmar Neuß, Vorsitzender des Vereins.
Der Leser lernt die Bürgermeister und die Mitglieder des Gemeinderates kennen, ihnen gelang es auch in Krisenzeiten, ihre Orte mit ihren bescheidenen Möglichkeiten zu leiten. Berichtet wird über die Reisen des Kronprinzen durch das Monschauer Land, der Leser nimmt Anteil an einem Großbrand in Zweifall und an einem Eisenbahnunfall. Geschildert wird aber auch der Einbruch in ein Wohnhaus. Der Leser erfährt zahlreiche „Neuigkeiten“ aus der Vergangenheit und kann damit auch ein Stück weit zu den Wurzeln der Orte von heute zurückfinden.
Dr. Bernd Läufer erzählt im Vorwort die spannende Geschichte, wie er durch engagierte Recherche den ersten Band der Lammersdorfer Chronik, der lange als verschollen galt, aufgespürt hat.
 Erschienen ist das Buch (rund 150 Seiten, 16 Euro), im Aachener Helios-Verlag, mit dem der Geschichtsverein eine enge Zusammenarbeit vereinbart hat.  Weitere Veröffentlichungen sind geplant, so eine Dokumentation aus dem Nachlass von Elmar Klubert (Monschau) über die Anfänge des Fotografierens im Monschauer Land.

Das Buch von Dr. Bernd Läufer „Nachrichten der merkwürdigsten Begebenheiten“ ist unter anderem im örtlichen Buchhandel zu haben, bei den Bäckereien Jacobs und Prümmer in Lammersdorf, bei Rita Stoff in Zweifall, Tannenbergstraße 4 und bei Bernd Läufer selbst. (rpa)

Bildunterschrift: Dr. Bernd Läufer (2. von links) stellte nun sein neues Buch vor, das im Aachener Helios-Verlag von Karl-Heinz Prohüber erschienen ist. Rechts: Dr. Elmar Neuß, Vorsitzender des Geschichtsvereins Monschauer Land, links Leo Jansen, der behilflich war, die Lammersdorfer Chronik wieder aufzufinden. Foto: R. Palm



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Gang durch die wechselhafte Geschichte

Der Geschichtsverein des Monschauer Landes präsentiert am Samstag, 18. November, um 15:00 Uhr im katholischen Pfarrheim Lammersdorf, Kirchstraße 30, den neuesten Band seiner Schriftenreihe. Hierzu sind alle Interessenten herzlich eingeladen.
Das Buch mit dem Titel «Nachrichten der merkwürdigsten Begebenheiten - Chronik der Gemeinden Lammersdorf, Zweifall und Mulartshütte» bietet einen spannenden Gang durch die wechselvolle Geschichte der Orte zwischen 1813 und 1851.
Da sind zum einen Nachrichten allgemeiner Art, beispielsweise über den Ausgang der Ernten und die klimatischen Bedingungen, die die Menschen manchmal an den Rand ihrer bäuerlichen Existenz brachten.
Beschrieben werden aber auch außergewöhnliche Natur- erscheinungen wie das Auftauchen von drei Sonnen an einem frostigen Aprilhimmel oder die bizarren Schnee- landschaften eines besonders harten Winters.
Die Chronik lässt den Leser teilhaben an freudigen Ereignissen wie den Reisen des preußischen Kronprinzen durch das Monschauer Land oder den Feiern anlässlich der Segnung einer Kirchenglocke in Lammersdorf.
Er erlebt auch traurige Begebenheiten mit, zum Beispiel einen Großbrand in Zweifall oder die Bedrohung durch Cholera und Grippe.
Auch die Liebhaber von Kriminalgeschichten kommen bei dem mit recht viel Humor geschilderten Einbruch in ein Wohnhaus voll auf ihre Kosten.
Es wird ferner berichtet, vom Bau der Schulen, Pfarrhäuser und Kirchen sowie vom Kommen und Gehen der Geistlichen und Lehrer.
Außerdem lernt man die Bürgermeister und die Mitglieder des Gemeinderates kennen, denen es gelang, ihre Orte mit bescheidenen Möglichkeiten zu leiten.
Nur wenige Arten von historischen Dokumenten bieten eine so große Fülle an Informationen, gepaart mit einem breit gefächerten Themenspektrum.
Die Chronik, die nun der Öffentlichkeit vorgestellt wird, ist so ein Glücksfall
AZ (13.11.2006)

 

 

Artikel der Eifeler Zeitung vom 30. September 2006

Erinnerung an das MON-Zeichen
Von heute an ist der Geschichtsverein Monschauer Land weltweit im Netz

Nordeifel. Von heute an ist der Geschichtsverein Monschauer Land weltweit im Netz. Nun kann jeder, der möchte, gleich wo auf der Welt, erfahren, wer und was der Geschichtsverein ist, was es im Verein Neues gibt, wie die geplante Tauschbörse für Heimatliteratur am 11. November von 14.30 bis 16 Uhr im Rathaus in Monschau. www.gv-mon.de ist nun auch eine neue Adresse für die vielen Eifeler, die überall auf der Welt unterwegs sind. Über den Geschichtsverein können sie durchaus Kontakt halten zur alten Heimat.

Das “mon“ in der Internet-Adresse ist eine Erinnerung, eine Hommage an das einstige Kfz-Kennzeichen MON. So steht auch der Geschichtsverein für das ganze Monschauer Land, damit ist, wie Dr. Bernd Läufer, 2. Vorsitzender, erläutert, der alte Kreis Monschau gemeint, die Orte Vossenack(heute Gemeinde Hürtgenwald)und Schmidt(heute Stadt Nideggen)gehören also unbedingt und selbstverständlich dazu.

Entwickelt und erstellt hat Christoph Dosquet aus Höfen die neue Homepage des Geschichtsvereins. Bernd Läufer zollte ihm für die

Bildunterschrift: Christoph Dosquet (vorne) hat den Geschichtsverein Monschauer Land ins Internet gestellt. Unterstützt wurde er von den Vorstandsmitgliedern Bernhard Stein, Franz-Wilhelm Hermanns und Dr. Bernd Läufer. Foto: Raimund Palm

umfangreiche und engagierte Arbeit Dank und Anerkennung. Unterstützt wurde er dabei eifrig von Bernhard Stein(Kalterherberg)und von Franz-Wilhelm Hermanns(Roetgen. “Die Homepage ist wie eine Visitenkarte, sie vermittelt den ersten Eindruck über den Verein, der rund 400 Mitglieder zählt“, freut sich auch Franz-Wilhelm Hermanns über das gelungene Werk. Die Startseite zeigt in der oberen Bildleiste Bilder aus dem Monschauer Land. Aus Platzgründen war es nicht möglich, jeden Ort, der zum Verein gehört, mit einem Bild zu präsentieren. So musste der Verein sich auf sechs Fotos beschränken. Gezeigt wird eine historische Aufnahme von der Kirche in Konzen(als ältester Ort des Monschauer Landes), zu sehen ist die Burg in Monschau, die Johanneskapelle in Simmerath, die Junkerwerke in Lammersdorf, die Mauer der Dreilägerbach-Talsperre in Roetgen und die Mestrenger Mühle im Kalltal. Das Zentrum der Startseite zeigt zwei Bilder des wohl bekanntesten Eifelmalers Fritz von Wille. Das wohl älteste Schöffensiegel des Landgerichts Monschau von 1476 ist als Logo des Geschichtsvereins unter der linksseitigen Leiste platziert. Über einen Link wird eine Erklärung angezeigt.

Die Homepage gibt Auskunft über den Verein, über das Monschauer Land, über die Bücherei und das Archiv des Vereins. Informationen gibt es über aktuelle Eifelbücher und über das aktuelle Vereinsgeschehen. Besonders wichtig und wertvoll auf der Homepage des Geschichtsvereins: das von Kurt Mertens erstellte Stichwortverzeichnis der früheren Vereinszeitschrift “Der Eremit am Hohen Venn“. Von Bernhard Stein stammt eine große Fleißarbeit: er hat ein Inhaltsverzeichnis aller Heimatkalender und Jahrbücher von 1953 bis 2006 zusammengestellt, das umfangreiche Werk ist nun für alle Interessenten einsehbar im Internet eingestellt.

Vorgestellt wird auf der neuen Homepage auch der Vorstand des Vereins, der Leser erfährt zudem, wie die Vorstandsmitglieder zu erreichen sind. Selbstverständlich ist es möglich, über das Internet Kontakt zum Verein aufzunehmen, sich dort als neues Mitglied anzumelden und dort eigene historische Beiträge einzustellen. Dass die neue Homepage www.gv-mon.de ständig gepflegt und stets aktualisiert wird, dies hat Christoph Dosquet fest zugesagt.
Raimund Palm

 

 

Ausflug des Geschichtsvereins vom 26. August 2006

Der diesjährige Ausflug führte die Mitglieder in den Kreis Düren, hier insbesondere in die alte Herzogstadt Nideggen sowie nach Embken und einigen umliegenden Orten. Am 26. August 2006 konnten die rund 40 Teilnehmer in Kalterherberg, Monschau, Imgenbroich, Konzen und Simmerath morgens in den bereitstehenden Reisebus zusteigen. In Nideggen wurden sie von unserem Mitglied und Heimatkundler Franz-Josef Brandenburg und seiner Gattin begrüßt.

Einführend wurde über die jahrhundertealten Beziehungen zwischen Nideggen und dem früher einmal im Rurtal unterhalb von Nideggen endenden Monschauer Landes berichtet. Vom Zülpichtor ausgehend führte der Weg an der gut erhaltenen historischen Stadtmauer entlang zum Kölntor. Franz-Josef Brandenburg schilderte in plastischen Bildern die Entstehung der Anlage einschließlich dem davor liegenden und noch unverbauten früheren Graben, so dass man sich gut ins frühe Mittelalter zurückversetzen konnte. Weiter ging es zum früheren Brandenberger Tor und hinein in die innerhalb der Stadtmauer gelegene romantische „neuere“ Altstadt. Bergauf führte der Weg in den Burgflecken, die eigentliche Altstadt als frühester Wohnort außerhalb der Burg mit der romanischen Pfarrkirche St. Mariä Geburt in seinem Zentrum. Franz-Josef Brandenburg verstand es ausgezeichnet, die Zuhörer mit seinen Schilderungen zu bannen. In der Kirche lauschten auch drei junge Damen, die als Touristen die Kirche besuchten, spontan den interessanten Erläuterungen zur Pfarrkirche und deren Geschichte.

In der Burganlage der früheren Grafen und späteren Herzöge von Jülich wurde auch das Burgenmuseum besucht, wobei Einzelheiten über das Leben im Mittelalter und insbesondere über Burgen im Allgemeinen und die Burg Nideggen im Besonderen vermittelt wurden. Neben der Burgkapelle wurde auch das Verlies besichtigt, in dem 1242 der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden neun Monate gefangen gehalten wurde. Er war es, der im Jahre 1248 den Grundstein für den Bau des Kölner Doms legte. Aber auch andere berühmte Persönlichkeiten lernten das Verlies in Nideggen kennen, so Engelbert von Falkenburg vier Jahre von 1267 bis 1271. Kein Geringerer als der große Gelehrte Albertus Magnus kümmerte sich persönlich um dessen Freilassung.

Nach einer Mittagspause wurde dann der Bus bestiegen und führte der Weg ins so genannte Wollersheimer Stufenländchen. Bei dem Ort Embken, einem merowingischen Königsgut, wurde der jüdische Friedhof auf dem Mühlenberg besucht. Der Friedhof war einer von 19 jüdischen Friedhöfen im heutigen Gebiet des Kreises Düren und diente als Grabstätte für Juden aus Embken, Berg und Wollersheim. Es wurden Informationen über die Juden im Nideggener Land und deren Geschichte, aber auch über jüdische Friedhöfe im Allgemeinen und den Embkener Friedhof vermittelt. In Embken wurde auch die Stelle besichtigt, an der sich bis zu ihrer Zerstörung in einem ortstypischen Fachwerkhaus eine jüdische Synagoge befunden hat. Franz-Josef Brandenburg hat sich besonders mit der Geschichte der Juden im Kreis Düren beschäftigt und konnte aus seinem Wissen viel vermitteln, was den Teilnehmern noch unbekannt war. Heinrich Böll hat zur Zerstörung der Synagoge des in der Nähe liegenden Ortes Drove u.a. geschrieben: „Der Terror kam nicht aus den Dörfern, er wurde von außen befohlen. In der Kristallnacht wurde die Drover Feuerwehr alarmiert, nicht um zu löschen, sondern um die Synagoge anzuzünden. Die gesamte Feuerwehr weigerte sich mit dem Hinweis, sie sei da, um Brände zu löschen und nicht um solche zu stiften. So musste das Terrorkommando die Brandstiftung selber vornehmen. Den entsetzten Ortsbewohnern wurde angekündigt, dass der Hahn (die kath. Pfarrkirche) auch noch drankomme.“

Nach diesem dunklen Kapitel unserer Heimatgeschichte fand der Abschluss des Tages dann wiederum in Nideggen statt, wo man in einem guten Café am historischen Marktplatz einkehrte. Franz-Josef Brandenburg stellte die von ihm für diesen Tag schriftlich zusammengestellten ausführlichen Informationen dem Geschichtsverein für seine Bibliothek freundlicherweise zur Verfügung. Damit können diese nun auch in unserer Bibliothek eingesehen werden.
Bernhard Stein

 

 


Artikel der Eifeler Zeitung vom 4. August 2006

Mutter Christoffels Totenzettel ist aus Seide

Im Archiv des Geschichtsvereins Monschauer Land warten Erinnerungen auf ihre Wiederentdeckung

Peter Becker aus Einruhr war 16, als er das Militär verließ. Er ist einfach abgehauen. Der Junge mit dem blatternarbigen Gesicht, rundem Kinn und schwarzem Haar hatte zwei Jahre gedient. Jetzt wird er steckbrieflich gesucht. So steht es in den Amtsblättern vom 20. April 1820. Und die verwahrt der Geschichtsverein Monschauer Land in seinem Archiv.

Die Amtsblätter des Regierungsbezirks Aachen, zu dem damals auch Malmedy, Eupen und St. Vith gehörten, sind eine Sammlung menschlicher Schicksale. Diebstähle und Überfälle sind darin in allen Einzelheiten notiert. Ebenso listen die Amtsblätter auf, wer vom Wehrdienst ausgemustert wurde. Etwa aus Konzen der Johann Matthias Kreitz und der Wilhelm Heinrich Schreiber. Sie wurden in Gruppe B eingestuft - “der einzig erwachsene und im gleichen Haushalt lebende Sohn einer Witwe, deren Ernährung kein anderes Familienmitglied übernehmen kann und die ansonsten hilflos wäre”.

Bernhard Stein aus Kalterherberg, einer der Verwalter

Alte Schätze im Computer sichern: Der Geschichtsverein archiviert viele seiner Dokumente mittlerweile digital. Friedhelm Schartmann (links) ist dabei, die Fotos einzuscannen. Franz-Wilhelm Hermanns (rechts) und Bernhard Stein (vorne) betreuen auch Besucher im Archiv an der Laufenstrasse

des Archivs, schätzt die Verordnungen des Regierungsbezirks besonders - wegen der Namen und Ereignisse. Er hat angefangen, sie im Computer zu speichern. “Kaffeeschmuggler sind schon 1817 aufgeflogen. An der Grenze bei Malmedy”, erzählt Stein. Dann berichtet er von Beamten, die neu eingesetzt oder verabschiedet wurden. Und von Peter Becker, dem jungen Deserteur aus Einruhr.

Franz-Wilhelm Hermanns aus Roetgen, ebenfalls Verwalter, ist stolz auf die Totenzettel-Sammlung des Geschichtsvereins. “Der Mathematiker Elwin Christoffel hat für seine Mutter einen in Seide drucken lassen”, erzählt er. Zu den besonderen Schätzen des Archivs gehört auch das Wallfahrtsbüchlein der Catharina Küpper aus Eicherscheid. Laut eigenem Eintrag erhielt sie das 1757 erschienene Werk mit dem Titel “Geistlicher Auszug nach und von Nivenheim” anno 1848. “Catharina Küpper konnte also lesen”, schlussfolgert Hermanns. Für damalige Zeiten eine Besonderheit.

Der Geschichtsverein für das Monschauer Land existiert seit 1923. Zwei Jahre später spendeten Privatleute alte Dokumente. So begann das Archiv. “Seither ist es gewachsen”, sagt Franz-Wilhelm Hermanns. Auf mittlerweile über 6000 im Computer registrierte Dokumente und rund 3000 Totenzettel . “Die Hauptarbeit hat über Jahrzehnte Elmar Klubert gemacht”, sagt Hermanns. Gemeinsam mit Bernhard Stein und Friedhelm Schartmann aus Roetgen, der dabei ist, die Fotos digital zu archivieren, führt er diese Arbeit fort. Das Archiv reicht bis in die Gegenwart. “Wir sind sehr interessiert daran, Festschriften zu bekommen”, so Bernhard Stein. Die Archivare weisen darauf hin, dass umgekehrt auch Vereinschronisten und die örtlichen Heimatvereine beim Geschichtsverein fündig werden können. “Wir bieten keine fertige Romane. Bei uns muss man sich aus dicken Wälzern das suchen, was gerade von Interesse ist”, so Stein.

Geöffnet ist das Archiv an der Laufenstrasse (ehemaliges Gesundheitsamt) dienstags von 18.30 bis 21 Uhr.
Nicole Palm

 

 


Artikel der Eifeler Zeitung vom 3. Mai 2006

Fotografie-Band erinnert an Elmar Klubert

Der Geschichtsverein Monschauer Land bereitet mehrere Publikationen vor. Vom Leben auf Gut Reichenstein. Viele Dedenborner wanderten aus.

Dedenborn. Es ist eine gute Tradition des Geschichtsvereins des Monschauer Landes, seine Jahreshauptversammlungen reihum in den Orten des Altkreises Monschau abzuhalten. Diesmal in Dedenborn. Aus diesem Anlass erinnerte Vorsitzender Dr. Elmar Neuß an die Entstehung des Dorfes.

In seinem Jahresrückblick gedachte der Vorsitzende zunächst der verstorbenen Mitglieder, unter ihnen Elmar Klubert aus Monschau. Der langjährige Archivar des Geschichtsvereins war “die Seele der Bibliothek” und habe eine große Lücke hinterlassen, so Neuß. Seinem Gedenken soll eine Veröffentlichung in der Schriftenreihe des Geschichtsvereins zu den Anfängen der Fotografie im Monschauer Land gewidmet werden, die der gelernte Fotograf Elmar Klubert noch selbst vorbereitet hat, kündigte er an.

Mit Stolz präsentierte Neuß ein Manuskript des Lehrers Johannes Huppertz aus Konzen, der das Leben zur Franzosenzeit um 1800 beschreibt. Aus Urkunden, die dem Geschichtsverein aus einem Familiennachlass übergeben wurden, lasse sich die Entstehung des Monschauer Stadtwappens gegenüber dem bisherigen Kenntnisstand um 30 Jahre auf etwa 1620/21 vordatieren, berichtete er.

Die Geschichte Dedenborns hatte Neuß zusammengefasst: Erste Ausführungen in den 1920er Jahren zur Entwicklung eines der jüngsten Orte im Monschauer Land enthielten mehr Spekulationen als Handfestes, berichtete er. Ein erster Beleg für die Existenz von Dedenborn finde sich in den Forstmeisterrechnungen von 1557. In französischer Zeit sei der Ort Sitz einer “Mairie” (Bürgermeisteramt) gewesen, zu der auch Hechelscheid und Woffelsbach gehörten. In den 1840er Jahren verzeichnete Dedenborn eine große Anzahl von Auswanderern nach Amerika. Unter anderem wird von “zwölf Antragstellern mit 53 Personen” berichtet, die sich in Wisconsin niederlassen wollten. Erst mit der ersten Postbusverbindung 1928 erwachte der Ort aus seiner Abgeschiedenheit und entwickelte die Anfänge einer Sommerfrische. Die heutige Rurtalstrasse entstand im Zuge des Westwallbaus, vorher war Dedenborn wegemäßig an Kesternich angebunden. Auch auf den Dedenborner Kreuzweg, der als Besonderheit 16 Stationen aufweist, ging Dr. Neuß ausführlich ein. Dieser sei wohl eine von langer Hand vorbereitete Stiftung des damaligen Pfarrers Johann Wilhelm Reuter zur Etablierung von Dedenborn als Wallfahrtsort.

Hans Gerd Lauscher hielt im Anschluss einen Vortrag über das “Arbeiten und Wirtschaften von 160 Jahren auf Gut Reichenstein”. Grundlage waren die wieder gefundenen handschriftlichen Arbeitsprotokolle des damaligen Gutsbesitzers Jacob Ahren aus den Jahren 1845 bis 1847. Die detaillierten Beschreibungen der Arbeitsabläufe der Knechte und Mägde, der Tagelöhner sowie der Fuhrleute und Handwerker spiegeln neben den wirtschaftlichen vor allem auch die aus heutiger Sicht kaum vorstellbaren sozialen Aspekte der Lebensumstände im 19. Jahrhundert wider. Die umfangreiche Recherche und Bearbeitung der Arbeitsprotokolle soll im nächsten Jahr in Buchform erscheinen.

Bereits in der Druckvorbereitung befindet sich die Bürgermeisterei-Chronik von Lammersdorf-Zweifall-Mulartshütte aus den Jahren 1815 bis 1850, die Dr. Bernd Läufer bearbeitet hat. Das im Helios-Verlag erscheinende, 136 Seiten umfassende Buch mit 37 Abbildungen nimmt der Geschichtsverein als Nr. 7 in seine Schriftenreihe auf. Unter anderem auch dank eines ausführlichen Orts-, Personen- und Sachregisters liefert die Abhandlung regionalgeschichtliche Erkenntnisse für das Monschauer Land.
Helga Giesen

Pejo Weiß scheidet aus dem Vorstand aus

Die Vollendung seines 80. Lebensjahres nahm der zweite Vorsitzende Pejo Weiß zum Anlass, aus dem Vorstand des Geschichtsvereins auszuscheiden, dem er seit der Wiederbegründung nach dem Krieg angehört hat. Sein Nachfolger ist Dr. Bernd Läufer aus Lammersdorf, der dem Vorstand bisher als Beisitzer angehörte.

Als neuer Archivar wurde auf Vorschlag des Vorstandes Bernhard Stein aus Kalterherberg bestätigt. Er habe sich bereits mit viel Engagement und Zuverlässigkeit eingearbeitet, sagte Vorsitzender Neuß.

Die Kassenprüfer Rolf Berger und Franz Mertens bescheinigten Kassiererin Johanna Jansen einwandfreie Arbeit.
 


Wieder komplett: Vorsitzender Dr. Elmar Neuß (Mitte) mit den neuen Vorstandsmitgliedern des Geschichtsvereins Monschauer Land, Dr. Bernd Läufer (rechts) und Bernhard Stein (links).
 

© · 2006 Geschichtsverein des Monschauer Landes e.V