Fringshaus / Reinartzhof

 


Fringshaus

Gasthaus auf dem Hohen Venn an der Straßengabelung, wo die napoleonische Landstraße Aachen - Trier, von Roetgen kommend (heute B 258), südlich nach Konzen und östlich nach Lammersdorf (L 114) verzweigt. Durch die Grenzziehung nach dem Versailler Vertrag 1920 liegt das Haus auf belgischem Territorium; die Grenze verläuft im Straßengraben unmittelbar vor dem Haus. Die Straße (B 258) durchquert als deutsche Exklave bis zum ehemaligen Bahnhof Konzen durch das Hoscheider Venn belgisches Territorium, das sich wFringshauseiter entlang der rechten Seite der Straße nach Lammersdorf erstreckt.

1826 hatte Arnold Frings aus Konzen auf der Vennhöhe Gelände zur Rodung und zur Errichtung eines Gasthauses erworben, das den Namen seines Begründers fortführt. 1890 verkauften die Nachkommen das Anwesen an Friedrich August Esser, der nach zweimaliger Brandkatastrophe den Reinartzhof (s. dort) verlassen hatte. In dessen Familie ist das Anwesen verblieben, wobei die zugehörigen Erwerbszweige Gasthaus, Warenverkauf und Landwirtschaft unterschiedliche Wege gegangen sind. Das heutige Gebäude ist nach einem Brand 1946 neu errichtet.

1926 entstand gegenüber, an der Straße nach Lammersdorf, auf damals (und seit 1956 wieder) deutschem Territorium das Gasthaus „Neu-Fringshaus“, dessen Gastbetrieb nach dem Krieg nicht wieder aufgenommen worden ist.Neu-Fringshaus

Die kuriose Grenz-situation hat in der Zwischenkriegszeit und der unmittel-baren Nachkriegszeit, als zeitweise deutscher Zoll unmittelbar vor dem Haus postiert war, zu lebhaftem Schmuggel und absurden, aber auch gefährlichen Situationen geführt, wie sie nach Jahrzehnten erfolgreicher Europapolitik nicht mehr vorstellbar sind.  

 

Literatur: P. Neuß: Fringshaus, EHV 16 (1941) S. 81-88; M. Huppertz: Vor 100 Jahren: Familie Esser erwirbt Fringshaus, ML 19 (1991) S. 65-73

 


Reinartzhof (Erstbezeugung a. 1338 in nemore prope Renardum; a. 1516 der Reynnart)

Reinartzhof war der Name einer Siedlung aus Einzelhöfen im Hohen Venn westlich von Roetgen, in kommunaler Hinsicht aber zu Konzen (Unterhof) und Mützenich (Oberhof) gehörig, die durch die Grenzziehung nach dem Versailler Vertrag 1920 an Belgien fielen und der Gemeinde Eupen zugeordnet waren. Wegen der Lage im Einzugsbereich der Wesertalsperre als Eupener Trinkwasserreservoir erging 1958 die Aufforderung zur Aufgabe der Siedlung, der die letzten Bewohner allerdings erst 1971 nachkamen. Die Gebäude wurden abgerissen. Als Gedenkstätte ist im selben Jahr eine Marienkapelle errichtet worden, die jährlich am Pfingstmontag als Wallfahrtsziel aufgesucht wird.

Die Siedlung entstand mit dem Aufschwung der Aachen-Wallfahrt seit der Mitte des 13. Jahrhunderts am stark frequentierten Pilgerweg über das Hohe Venn von Aachen nach Trier, der wenige Kilometer nördlich des Reinartzhofes, von Raeren kommend, die Weser überquerte. Nach dem Monschauer Landrecht von a.1516 war es Aufgabe der Stadt Aachen, die Brücke dort zu unterhalten. Die ersten Zeugnisse von 1338 und 1344 zeigen, dass die Stadt Aachen dazu einen Begarden (Einsiedler) „auf dem Reinard“ bezahlte, der dort wohl ein Pilgerhospiz betrieb. Die Aufgabe der Versorgung von Pilgern und Hilfe zur Orientierung bei Nacht und schlechtem Wetter durch Glockengeläut ging spätestens ab 1512 auf den Pächter eines Wirtschaftshofes der Herzöge von Jülich über, der an die Stelle der Klause des Begarden getreten war. Im Jahr 1556 ist ein zweiter Hof errichtet worden, worauf sich die Unterscheidung in Oberhof (ältere Anlage, westlich vom Weg) und Unterhof (spätere Anlage, östlich vom Weg) gründete. Beide Höfe waren gleichzeitig landwirtschaftliche Betriebe, die zur Mahlmühle in Monschau gezwungen waren. Mit der französischen Verwaltung gingen nach 1805 die Höfe als Staatsbesitz in Privathand über.  

In der mundartlichen Benennung (dr Rennert) und auch den frühen Schriftzeugnissen fehlt der Bestandteil -hof. Der Name dürfte zu Ehren des hl. Reinhard / Reginhard, Bischof von Lüttich († 1037), gegeben sein, der als Förderer und Beschützer von Straßen und Brücken verehrt wurde.

Trotz der offiziellen kirchlichen Zuordnung nach Konzen und der kommunalen (ab 1835) nach Konzen bzw. Mützenich, haben sich die Bewohner vornehmlich zum näheren Roetgen orientiert. Selbst nach 1920 haben die Kinder noch die Schule in Roetgen besucht; nach dem 2. Weltkrieg war Eupen der zuständige kommunale Bezugsort. Wegen der abgeschiedenen Lage in Grenznähe war der Reinartzhof, insbesondere nach dem 2. Weltkrieg, bis in die frühen 50er Jahre ein idealer Umschlagplatz für den Kaffeeschmuggel, wo der angelieferte Kaffee in traggerechte Gebinde umgepackt wurde. Die verschiedenen Schmuggelkolonnen brachten von dort die begehrte Ware durch das unwegsame Venn über die Grenze. 

Literatur: H. Steinröx: Reinartzhof und Hattlich. Zwei alte Kulturstätten im Hohen Venn., Eupen 2014 (= Beiträge zur Geschichte des Monschauer Landes. 13)

 

 

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