Imgenbroich / Grünenthal

 

Imgenbroich (Erstbezeugung a.1361 Jncgenbroich).

Die Siedlung entstand im hochmittelalterlichen Rodungskern um die limburgischen Burgen Reichenstein und Monschau (sog. "Feldgeleit") auf einer Höhe nördlich der Rur. Die sumpfigen Quellmulden mehrerer, in verschiedene Richtungen abgehender Bäche, haben das Motiv für den Namen geliefert.

Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts entstand aus der Initiative einer im Monschauer Land einheimischen, lutherisch gewordenen Familie Offermann eine Feintuchmanufaktur, die den ursprünglich bäuerlichen Charakter des Dorfes grundlegend veränderte. Die Feintuchproduktion stand in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in der

Wernershof

  Qualität gleichrangig neben den Monschauern. Sie prägte den baulichen Charakter des Dorfes bis zu seiner fast vollständigen Zerstörung im Herbst und Winter 1944/45. Von den repräsentativen Gebäuden der Tuchmacherzeit sind (umgebaut und verändert) allein der sog. "Wernershof" (Trierer Str.) und das "Haus Amsterdam" (Grünenthalstr.) erhalten.

Wegen der günstigeren Wasser- verhältnisse wurden grössere Teile der Produktion bereits in der 1. Hälfte des 18.Jahrhunderts nach Monschau und ab 1763 auch nach Grünenthal (an der Rur bei Widdau, unterhalb von Monschau) verlagert. Im Laufe des 19. Jahrhunderts ging die Produktion kontinuierlich zurück.

Wegen seiner gewerblichen Bedeutung war Imgenbroich seit der französischen Zeit (1794) Verwaltungssitz für die umliegenden Bauerndörfer und bildete nach der preussischen Neuordnung (1816) eine Bürgermeisterei mit Konzen, Eschweide, Mützenich, Menzerath und Widdau, ab 1851 eine Samtgemeinde mit Konzen und Mützenich mit ihren Ortsteilen. Zu dem 1936 gebildeten Amt Imgenbroich kam noch Eicherscheid hinzu; 1972 Zuordnung zur Stadt Monschau.

Ein erster Schritt zur kirchlichen Verselbständigung gegenüber der Urpfarre Konzen begann 1675 mit der Errichtung einer Kapelle mit Mess-Stiftung (1695) und Einsiedelei; es folgte 1768 die Weihe einer Kirche (St. Josef) unter Konzen (abgerissen nach Vollendung der neuen Kirche 1899). Mit der kirchlichen Neuorganisation der napoleonischen Zeit wurde Imgenbroich 1804 selbständige Pfarre. Ein Kirchenneubau an anderer Stelle wurde 1899 geweiht; Neubau nach Kriegszerstörung 1952 geweiht.

Die lutherischen Feintuchfabrikanten und die protestantischen Teile der Facharbeiterschaft hatten im benachbarten Menzerath zusammen mit den Monschauern ihre Kirche (ab 1683) und ihren Friedhof (ab 1678). Nachdem die lutherische Gemeinde Monschau (1708 von Gemünd abgetrennt) über eine eigene Kirche in der Stadt verfügte (1789), belegte sie noch den Friedhof Menzerath bis Ende der 50er Jahre des 19.Jahrhunderts. Die Imgenbroich-Menzerather Gemeinde benutzte die Kirche weiter, bis sie wegen Baufälligkeit 1830 geschlossen werden musste (Abriss 1831). Aus dem Abrissmaterial der Kirche ist die Mauer des noch erhaltenen Friedhofs mit einer Reihe bemerkenswerter Grabdenkmäler von Fabrikantenfamilien errichtet.

Ein erster Friedhof protestantischer Christen ("auf Walchenau") lag in der Imgenbroicher Flur Kirflich am Weg nach Monschau am Kieselbach. Er wurde nach der Anerkennung der lutherischen Gemeinde noch von den wenigen Reformierten im Amt Monjoie genutzt.

Die

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Evangelische Kirche

Gemeinde erbaute sich im Jahr 1838 eine neue Kirche in Imgenbroich. Sie wurde ab 1884 von Monschau mit verwaltet. Die architektonisch qualitätvolle, nach Plänen des bekannten Kommunalbaumeisters Christian Wilhelm Ulich errichtete Kirche wurde 1935 abgerissen.

Trotz des Rückgangs der Tuchfabrikation im 19. Jahrhundert behielt Imgenbroich über die Verwaltung hinaus längere Zeit zentralörtliche Bedeutung durch einen überörtlichen Markt, eine landwirtschaftliche Winterschule (1883-1966), eine Forst- und Kolonialschule (1911-1914) und eine expandierende Molkerei (1892/93, eingestellt 1967). Auch unter den seit 1972 zur Stadt Monschau vereinigten Orten nimmt Imgenbroich, am Zusammentreffen der Bundesstraßen 258 und 399 gelegen, die Rolle des bevorzugten Einkaufszentrums und Gewerbestandortes ein mit Kaufhäusern, dem Handwerkerzentrum HIMO (eröffnet 1995), der Großdruckerei WEISS-Druck+Verlag und weiteren mittelständischen Betrieben.

Aus Imgenbroich stammt der Maler Christian Eduard Boettcher (1829-1900), der nach dem Studium in Stuttgart und Düsseldorf seit 1872 eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf innehatte. Er ist insbesondere als Maler der Rheinromantik und biedermeierlicher Genreszenen bekannt geworden.

Literatur:

B. Hürtgen: Imgenbroich wie es war und wie es ist, Aachen : Rethel-Verlag 1930; P. Schreiber: Imgenbroich, ein ehemaliges Tuchmacherdorf, Monschau : Geschichtsverein des Kreises Monschau o.J. [1955]; Imgenbroicher Notizen II: 200 Jahre Pfarrgemeinde Imgenbroich, Imgenbroich : Verein für Heimatgeschichte Imgenbroich e.V.; O. Drosson: Molkereigenossenschaft Imgenbroich I-III, ML 19 (1991) S.80-89; 20 (1992) S. 108-116; 21 (1993) S. 125-129; O. Drosson: Forst- und Kolonialschule Imgenbroich, ML 34 (2006) S. 49-61; Th. Schreiber: Konzen und Imgenbroich im Spiegel amtlicher topographischer Karten, ML 30 (2002) S. 53-72

 

Grünenthal

Ehemaliger Standort der Imgenbroich-Monschauer Feintuchproduktion im Rurtal unterhalb Monschau, oberhalb der Einmündung des Belgenbaches. Mit der Anlage der einzelnen Betriebe erfolgte der Ausbau des Waldweges von Imgenbroich ("Bergweg" = K 21) zur Fahrstraße. Der Name gehört zum Typus neuzeitlicher Stellenbezeichnungen wie Schöne Aussicht, Jägersruh, Schauinsland u.ä. (a. 1776 walkmühl, zum Grünen Dahl genannt).

Aufgrund von Wasserkonzessionen von 1763 und der Folgejahre errichtete Matthias Offermann (1735-1806) in Grünenthal eine Wollwäsche, Färberei und eine Walkmühle, später kamen eine Loh- und eine Schleifmühle hinzu. Im Zuge der nach 1800 einsetzenden verstärkten Mechanisierung entstanden unter Georg Christoph Werner (1787-1850) eine mechanische Rauerei anstelle der Lohmühle (1817), eine neue Walke (1824) und zuletzt eine Spinnerei (1832), die 1861 abbrannte. In verkleinertem Rahmen wurde die Spinnerei

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bis 1900 fortgeführt.

Bis zum 2. Weltkrieg und noch in den 50er Jahren war Grünenthal ein beliebtes Ausflugslokal. In der Folgezeit bestand in den Talwiesen des Anwesens zeitweilig ein Dauercampingplatz.

Weiteres s.: Imgenbroich

 


Literatur:

P. Schreiber: Aus Grünenthals Vergangenheit, EHV 3 (1927/28) S. 133-137, 148-152; P. Schreiber: Imgenbroich, ein ehemaliges Tuchmacherdorf, Monschau : Geschichtsverein des Kreises Monschau o.J. [1955]

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