Konzen




Katholische Pfarrkirche in Konzen. Ansicht nach dem Wiederaufbau im Jahre 1954.
Die ältesten Bauteile der Kirche (Turmuntergeschoss) gehen auf etwa die Mitte des 12. Jahr-
 hunderts zurück. Sie war bis Mitte des 14. Jahrhunderts einzige Kirche im Monschauer Land
 und wird deshalb auch Mutterkirche genannt.
 

 

Konzen (Erstbezeugung a. 888 Compendio [lateinischer Ablativ zu Compendium]).

Am Rand des Hohen Venns in der Quellmulde des Laufenbaches gelegen, wurde Konzen seit dem Ende des 8. Jahrhunderts in Fortsetzung einer römerzeitlichen Siedlung das Zentrum der Wiederbesiedlung des Monschauer Landes seit karolingischer Zeit. Lateinisches compendium konnte in der Bedeutung “Abkürzung zum Siedlungsnamen werden (Vgl. frz. Compiègne) und bezog sich vermutlich auf die Lage des Ortes an der Verbindung zwischen der überregionalen Römerstrasse Reim - St. Vith -Zülpich - Köln südlich der Rur und einem Strassenverlauf über das Hohe Venn. Der Verbindungsweg ist auf der Strecke Walberhof (bei Herhahn) - Grüner Pütz/Sauerbachtal - Kesternich - Mützenich zu suchen. Die überwiegende ältere Schreibung Con(t)zen ist 1936 in Konzen geändert worden.
Konzen gehörte zu den 43 (bzw. 44) königlichen
villae (Wirtschaftshöfen), deren Neunten (d.h. Erträge eines zweiten Zehnts) König Lothar II., Urenkel Kaiser Karls des Großen, der Pfalzkapelle zu Aachen schenkte. Der Ort ist im Tafelgüterverzeichnis des hohen Mittelalters noch als Königsgut genannt.

Die Hofkirche St. Peter (bzw. St. Pankratius) war, wahrscheinlich aufgrund einer Schenkung Karls des Grossen, bereits Eigentum der Pfalzkapelle (später: Marienstift) Aachen, das bis zum Ende des Alten Reichs den Patronat innehatte. Daher war Konzen Urpfarre und Sendkirche des Bezirkes im Archidiakonat Ösling/Osning der "Christianität" Zülpich. Nach der Abtrennung einer Pfarre Simmerath nicht lange nach 1300 blieb die Konzener Kirche die Hauptkirche des sog. "Oberen Kirchspiels" bis zum Ende des Alten Reiches.

Möglicherweise sind in den Bauteilen der Friedhofskapelle St. Pankratius Teile der ältesten karolingischen Kirche enthalten. Dort sind auch römische Funde ergraben.

Teile der Umrissmauern der spätgotischen Kirche und der Unterbau des romanischen Kirchturms vom Vorgängerbau (ca. 1160) sind erhalten,

Kriegszerstörte Kirche

  ebenfalls der romanische Taufstein. Nach Kriegszerstörung 1944/45 und Wiederherstellung der Aussenmauern bis 1951 wurde die Kirche 1952-54 nach Norden erweitert.

Seit der napoleonischen Bistums- neuordnung ab 1804 ist Konzen einfache Pfarre im Dekanat Monschau.

Der Königshof Konzen war gleichzeitig Sitz der Forstverwaltung des Gebietes, das bis in den Anfang des 13.Jahrhunderts "Land Konzen" (terra Cumeze, Kuntzerland) hiess. Mit der Entfremdung des Gebietes von der Krone durch die Grafen bzw. Herzöge von Limburg im Gefolge ihrer Errichtung der Burgen Reichenstein und Monschau seit dem 12. Jahrhundert und der Verlagerung der Verwaltung an den Burgort Monschau setzte ab ca. 1200 die Entwicklung zum Bauerndorf ein.

Der Ortsteil "Lutterbach" (Erstbezeugung a. 1369 Luterbach) in der Quellmulde des Belgenbaches wird bis ins frühe 17. Jahrhundert gelegentlich als eigene Siedlung gerechnet. (vgl. Lauscheid zu Mützenich). Das Bestimmungswort dieses zusammengesetzten namens gehört zum Adjektiv nhd. lauter “klar”.

Konzen3Mit der preussischen Übernahme und Neuordnung wurde Konzen ab 1816 der Bürgermeisterei Imgenbroich zugeordnet (1851 Samtgemeinde mit Imgenbroich und Mützenich), 1936 Gemeinde im Amt Imgenbroich, schliesslich seit 1972 Ortsteil der Stadt Monschau.

Eisenbahnanschluss 1885 an die Vennbahn. Neben der Landwirtschaft bestand bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts der Betrieb von Kleinweberei. Eine 1907 begründete Genossenschaftsweberei arbeitete unter verschiedenen Organisationsformen bzw. Eigentumsverhältnissen bis zur endgültigen Einstellung 1970.

Der Ort wurde im Kriegswinter 1944/45 weitgehend zerstört.

Literatur

R. Nolden: Besitzungen und Einkünfte des Aachener Marienstifts von seinen Anfängen bis zum Ende des Ancien Régime, ZAGV 86/87 (1979/80) S. 172-178; R. Nolden: Das Aachener Marienstift und seine Besitzungen im Monschauer Land von Karl dem Großen bis zum Ende des Alten Reiches, ML 11 (1983) S. 26-35; E. Neuß: Die Urkunde König Arnolfs vom Jahre 888, ML 16 (1988) S. 26-32; 1100 Jahre Konzen. 888 bis 1988, hg. vom Verein zur Pflege kultureller und dorfgeschichtlicher Zwecke ... o.O, o.J. [Konzen 1988], darin: H. Steinröx: 1100 Jahre Konzen. Von den Anfängen bis zur Gegenwart (ebenfalls in: Heimatblätter des Kreises Aachen 43 (1988) S. 1-104); Th. Schreiber: Konzen und Imgenbroich im Spiegel amtlicher topographischer Karten, ML 30 (2002) S. 53-72.

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