Roetgen / Schwerzfeld

 

Roetgen (Erstbezeugung a. 1475 vp dem Roetgen, zu dem Roettgen)

Roetgen ist als spätmittelalterliche Rodungsinsel des Waldgeleits in der Mulde dreier Bäche (Grölisbach, Roetgensbach, Schleebach) entstanden, die sich zur Vicht vereinigen. Mit römerzeitlichen Fundstellen der Umgebung, die nur teilweise verlässlich dokumentiert sind, besteht keinerlei Siedlungskontinuität. Der Name ist mit dem Diminutiv-Suffix nhd. -chen zur Verbbasis roden (vgl. dagegen die älteren Namen auf -rath) gebildet und bedeutet so viel wie 'kleine Rodung'. Er galt nach Ausweis der Verwendung mit Präposition ursprünglich als Flurbezeichnung für das nach längerem Verfall zum Jahr 1475 wiederhergestellte Gut des Daim Duyster, das zur Zeit der Nennung noch "bei Konzen" lokalisiert wird.

Eine katholische Kirche (St. Hubertus) unter der Mutterpfarre Konzen wurde 1660 geweiht (Baubeginn 1656) und bis zu Mitte des 18. Jahrhunderts mit Prämonstratensern aus Reichenstein, später Steinfeld, als Rektoren besetzt. Ein Rest der ersten Kirche ist als Kapelle im älteren Dorfkern erhalten. Ein einfacher neugotischer Kirchenneubau (ab 1854) an höher gelegener Stelle, der im wesentlichen unverändert erhalten ist, wurde 1857 geweiht. Vollständige Pfarrrechte erhielt

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Kloster St. Elisabeth 1950

  Roetgen mit der napoleonischen Neuordnung 1804 im Kanton Monschau; 1925 erfolgte die Zuordnung zum Dekanat Kornelimünster. In Verbindung mit der Pfarre wurde im Jahre 1929 ein Kloster der Cellitinnen (St. Elisabeth) eröffnet. Die Schwestern unterhielten neben Altenheim und Kindergarten auch eine Entbindungsstation. Während des 2. Weltkrieges diente das Haus als deutsches und (ab Herbst 1944) als amerikanisches Lazarett. Nach Übernahme durch den Caritas-Verband (1978; daher der Name “Caritas-Haus”) wurde das Kloster zum Ferien- und Erholungsheim. Nach zeitweiliger Aufnahme von Ausbildungseinrichtungen der Priestergemeinschaft “Legionäre Christi” (ab 2001) ist die Anlage seit 2004 im Besitz der Familie Convenz, die in den Räumen eine Privatschule unterhält.

Von den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts an schlossen sich zunehmend Roetgener Familien der reformierten Gemeinde Stolberg an. Diese Reformierten, die seit 1755 über einen eigenen Friedhof verfügten, erhielten 1778/79 nach langwierigen zwischenstaatlichen Verhandlungen zwischen der Kurpfalz (zu der das alte Herzogtum Jülich gehörte) und Preussen unter Loslösung von Stolberg den Status einer selbständigen Gemeinde und errichteten darauf 1779-82 eine Kirche, die

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Ev. Kirche Roetgen

weitgehend unverändert erhalten ist.

Seit der preussischen kommunalen Neuordnung nach der französischen Zeit bildete Roetgen eine ständige Verwaltungseinheit mit dem benachbarten Rott: 1816 Bürgermeisterei mit Rott; 1851 Samtgemeinde mit Rott; 1936 Amt mit Rott und Zweifall; 1972 Gemeinde mit Rott und Mulartshütte, jedoch ohne Zweifall.

Mit der Fertigstellung der napoleonischen Chaussee Aachen - Trier (1814, Baubeginn 1804; heute B 258) und nachfolgend dem Eisenbahnanschluss an die Vennbahn (1885) hat sich der Ortsschwerpunkt kontinuierlich bis in die Gegenwart vom Siedlungskern der Talmulde auf die höher gelegenen Verkehrswege nach Westen hin verlagert. Ein Charakteristikum der Siedlung ist aber von Anfang an die weitläufige Streulage.

Am Ortsausgang nach Rott ist 1909-11 die Dreilägerbachtalsperre zur Wasserversorgung der Aachener Region (Wasseraufbereitungsanlage am Fuss der Staumauer) errichtet worden. Die Talsperre, die als erstes ausschliessliches Trinkwasserreservoir der Nordeifel erbaut wurde, ist seit 1926 durch einen Stollen mit der Kalltalsperre (s. Lammersdorf) verbunden.

Aus der Heimweberei und -spinnerei des 18. Jahrhunderts gingen im 19. Jahrhundert kleinere, privat und genossenschaftlich organisierte Textilbetriebe hervor, deren letzte sich bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts halten konnten.

Am 12. September 1944 besetzten amerikanische Einheiten, aus dem Raum Eupen über Petergensfeld vorrückend, Roetgen als ersten deutschen Ort in den Reichsgrenzen nach dem 1. Weltkrieg. Aufgrund der schnellen Einnahme blieb das Ausmass an Kriegszerstörungen in Roetgen im Vergleich zu anderen Orten im Inneren des Monschauer Landes begrenzt.

Heute ist Roetgen beliebte Wohngemeinde im Grossraum Aachen.

Aus Roetgen stammt der Demokrat und Verwaltungsfachmann Dr. Wilhelm Rombach (1884-1973), Regierungspräsident in Aachen (1923-1928), Oberbürgermeister von Aachen (1928-1933) und Staatssekretär im Innenministerium NRW (1948-1952), den die Nationalsozialisten 1933 aus dem Aachener Oberbürgermeisteramt entfernten.

Literatur:

H. Steinröx: Der Ursprung des Dorfes Roetgen, ML 9 (1981) S. 204-210; Th. Schreiber: Roetgens Entwicklung im Spiegel der Meßtischblätter, ML 19 (1991) S. 106-121; E. Klubert: Wie alles angefangen hat. Die Entstehung der katholischen Kirchengemeinde und die Umstände während der Bildung der protestantischen Gemeinde, ML 26 (1998) S. 18-38; 200 Jahre evangelische Gemeinde Roetgen, o.O., o.J. [Roetgen 1978]; U. Schuppener: Roetgens Webertradition, Roetgen : Verkehrsverein / Eifelverein o.J. [1996]; E. Klubert - F. Schartmann: Roetgen wie es war, herausgegeben von der Gemeindeverwaltung : Roetgen 1982

 

Schwerzfeld (Erstbezeugung a. 1544/45 up Swerzell in dem venne als Flurbezeichung)

Ortsteil von Roetgen links der Weser am Weg von Roetgen durch das Venn nach Reinartzhof. Bei der neuen Grenzziehung nach dem 1. Weltkrieg (1921), als umfangreiche Wald- und Venndistrikte des Kreises Monschau Belgien zugeschlagen wurden, sparte man die Häuser und Wiesenflächen von Schwerzfeld aus, so dass der Grenzverlauf eine Ausbuchtung nach Westen beschreibt.

Der brandenburgische Oberst Freiherr von Ketteler (Amtmann ["Verwaltungschef"] in Monschau 1609/10 - 1622), der

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Schwerzfelder Hof - heute

durch vielfältige Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung im Amt bekannt geworden ist, hat im Venn auf dem Kopf zwischen Weser und Steinbach, einen Wirtschaftshof anlegen lassen. Der Hof (a. 1649 der Schwertzeler hoff) wurde zum Kristallisationskern des Weilers.

Literatur:

H. Steinröx: Der Ursprung der Siedlung Schwerzfeld, ML 9 (1981) S. 214-215

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