Simonskall

 

Simonskall (Erstbezeugung a. 1608 auf / in der Callen / Kallen als Flurbezeichnung)

Im Kalltal unterhalb des Soldatenfriedhofs und des Franziskanerklosters Vossenack gelegen, gehört Simonskall zu den Orten aus der Phase der Siedlungserschliessung des Monschauer Landes, als von der Mitte des 15. Jahrhunderts an die grösseren Täler zur Anlage von Mühlenwerken für Gewerbebetriebe, insbesondere zur Eisenverhüttung und -verarbeitung aufgesucht wurden. Die vielfach kolportierte Gründung Simonskalls durch Hugenotten gehört jedoch in das Reich der Legende. Sie beruht möglicherweise auf dem protestantischen Bekenntnis der Siedlungsgründer, der Brüder Schobinger.

Im Jahre 1608 erhielten die Brüder Bartholomäus und Tobias Schobinger die Konzession zur Anlage einer Glashütte und Seifensiederei an der Kall. Unter Beteiligung von Simon Kremer, einem Mitglied einer Familie, die an verschiedenen

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Burghaus Scholl ca. 1920

Orten des Nordeifeler Eisenhüttenwesens tätig war, wurde der Betrieb 1612 in eine Hütte und ein Hammerwerk umgewandelt. Seit 1622 war die Anlage vollständig im Besitz Simon Kremers. Die Eisenproduktion ging 1741 an die Familie Hoesch über (s. Zweifallshammer) und endete 1816. Die Gründung als frühneuzeitlicher Gewerbestandort prägt nicht allein durch massive, repräsentative Gebäude (z.B. die "Burg", 1643) das Ortsbild bis heute; auch der in der Familie Kremer über Generationen vererbte Vorname Simon ist (wohl nach dem Erbauer der Hütte) in den Ortsnamen eingegangen.

Eine Kapelle (St. Mariä Himmelfahrt, zur Pfarrkirche Vossenack gehörig) als Nachfolgerin einer Hauskapelle (1741) in der "Burg" wurde 1935 geweiht und nach Kriegsschäden im Sommer 1952 wieder hergestellt.

Im Zuge der Kommunalreform wurde Simonskall 1972 mit Vossenack der Gemeinde Hürtgenwald (Gemeindename, dem keine gleichnamige Einzelsiedlung entspricht) und dem Kreis Düren zugeordnet.

Mit den Bahnverbindungen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts (Vennbahn 1885, Rurtalbahn 1903) wurde Simonskall, ähnlich wie Monschau, für den Fremdenverkehr entdeckt und ausgebaut. Von 1918 bis 1921 hatte die Künstlergruppe "Kalltalpresse" ihren Sitz in Simonskall.

Literatur:

A. Schumacher: Kaufleute aus St. Gallen als Gründer von Simonskall, EHV 21 (1949) S. 49-57; J. Hashagen: Zur Geschichte der Eisenindustrie, vornehmlich in der Nordeifel, in: Eifel-Festschrift zur 25jährigen Jubiläumsfeier des Eifelvereins. 1888-1913, hg. v. A. Hermann, Bonn : Selbstverlag des Eifelvereins 1913, S. 269-294; H. Tichelbäcker: Vossenack. Marschallhof und Dorf im Land Monschau, Hürtgenwald : Geschichtsverein Hürtgenwald e.V. 1992; B. Rüttgers: Kapellengeschichte von Simonskall, ML 12 (1984) S. 90-92

 

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