Steckenborn

 

Steckenborn (Erstbezeugung a. 1505/06 Johan an dem Steckelboirn; a. 1581 ahn Steckelborn)

Auf der Höhe über dem Rurtal gelegen, von wo aus einige Bachtäler in östliche und südöstliche Richtung zur Rur verlaufen, ist Steckenborn nahe der Grenze des Feldgeleits vergleichsweise spät entstanden und noch später als eigene Dorfsiedlung wahrgenommen worden. Eine Steuerliste des Amtes Monjoye von a. 1551 rechnet den Thonis am Steckelborn zum Dorf Oberrollesbroich /Strauch und der Name Steckenborn taucht unter den Dörfern, die nach Landrecht (1516) zur Kallmühle gezwungen sind, noch nicht auf. Daraus folgt, dass wenigstens dieser Ortsbereich um die namengebende Quelle (mundartlich Búer ‚Born‘ zur Bezeichnung eines Fließgewässers gegenüber Pötz für einen gegrabenen Brunnen) längere Zeit als Teil von Strauch angesehen worden ist. Dem gegenüber ist in dieser Quelle Woffelsbach im Tal (a. 1516 Wolffelssauwell) als eigenes Dorf gewertet. In den Rechnungen der Rent- und Forstmeister des Amtes Monjoye, die seit dem beginnenden 16. Jahrhundert einsetzen, sind dann hier und da weitere Ortsteile genannt: a. 1507/08 Hesselscheit; a. 1574/75 Schiffenborn; a. 1597/98 auf der Helden. Am Ausgang des 18. Jahrhunderts ist auch der Name Schönenborn überliefert. Dieser Befund bestätigt die auch anderweitig gemachte Beobachtung, dass es im Monschauer Land im Mittelalter und der frühen Neuzeit keine systematische, von oben gesteuerte Dorfsiedlung gegeben hat, sondern dass die kontinuierlich angelegten Rodungsflecken einzelner Familien oder Kleingruppen allmählich zu Dörfern zusammengewachsen sind.

Aufgrund der späten Entstehung hat Steckenborn von Anfang an zur Pfarrkirche Simmerath im „unteren Kirchspiel“ gehört. Von den seit den 40er Jahren des 16. Jahrhunderts im Amt auftretenden Täufern, die sich bevorzugt in der Nähe zur Rur aufgehalten haben, waren nach dem Verzeichnis der aus dem Amt geflohenen Täufer von 1597/98 einige wenige in den Ortsteilen Schiffenborn, Held und Hechelscheid ansässig. Eine 1700-1702 im Dorf erbaute Kapelle wurde vom Simmerather Pfarrer benediziert und erreichte ziemlich bald faktisch Pfarrrechte. Mit der französischen Einrichtung des ersten Bistums Aachen folgte 1804 die kirchenrechtliche Erhebung. Der 1905/06 erfolgte Kirchenneubau wurde 1907 geweiht (St. Apollonia). Wie in den anderen Dörfern östlich des Westwalls, die nach dem Halt des amerikanischen Vormarsches Ende September 1944 für mehrere Monate im Frontbereich des Kampfgeschehens lagen, wurde dieser Bau schon im gleichen Monat von deutschem Militär gesprengt; Wiederaufbau 1950/51. Als kirchliche Besonderheit der Gemeinde von Steckenborn ist die seit 1750 stattfindende, mehrtägige Fußwallfahrt nach Barweiler bei Adenau (Hocheifel) zu nennen. 

Nach der preußischen Kommunalordnung von 1816 kam Steckenborn mit Strauch zu Kesternich, während das im allgemeinen eher auf Steckenborn orientierte Hechelscheidt mit Woffelsbach der Bürgermeisterei Dedenborn zugeordnet wurde. Diese Verbindung ist über die Bildung des Amtes Kesternich 1936 hinaus bis zum Aufgehen in der Gemeinde Simmerath (1972) bestehen geblieben. 

Weiteres: s. Strauch, Hechelscheidt

Literatur: G. Harzheim: 500 Jahre Steckenborn. Notizen aus der Geschichte, ML 34 (2006) S. 22-28; E. Neuß: Rodung und Siedlung im Monschauer Land im Mittelalter und der Frühen Neuzeit, ML 42 (2014) S. 42-59; G. Harzheim: Die Steckenborner Barweiler-Prozession, ML 25 (1997) S. 145-153; B. Läufer: Der Neubau der Pfarrkirche zu Steckenborn, ML 30 (2002) S. 73-81; Th. Schreiber: Kesternich, Steckenborn und Strauch im Spiegel amtlicher topographischer Karten, ML 29 (2001) S. 65-81

 

Hechelscheid

 

Hechelscheid (Erstbezeugung a. 1507/08 Thomys op Hesselscheit; a. 1509 Jacob op Hesselscheit)

Ortsteil von Steckenborn auf dem Höhenrücken oberhalb Woffelsbach am Rurstausee, der durch die Täler von Hesselbach / Allerbach im Norden und Wolfsbach im Süden gebildet wird. Dieser Situation entspricht der Ortsname: das Grundwort -scheid bezeichnet, ursprünglich in Flurnamen (vgl. Eicherscheid) Höhenrücken zwischen Tälern. Als Bestimmungswort tritt in der Regel ein Gewässername eines der nahen Täler auf, hier des Hesselbaches. Im Gewässernamen hat sich, anders als im Ortsnamen, die ältere Lautgestalt erhalten. In der Liste der aus dem Amt Monjoye geflohenen Täufer von 1597/98, die aus Hechelscheid einige Personen nennt, kommt schon die Schreibung mit <ch> vor. 

Während aufgrund der heutigen Bebauung entlang der beiden nordöstlich auf Hechelscheid parallel zulaufenden Straßen direkte Anbindung an den Dorfkern von Steckenborn um die Kirche besteht, war die ältere Lage so stark vereinzelt, dass in der ersten preußischen Kommunalordnung von 1816 Hechelscheid mit Woffelsbach der Bürgermeisterei Dedenborn zugeordnet war. 1850 wurden dann Rurberg, Woffelsbach und Dedenborn zur Gemeinde Rurberg vereinigt.

Weiteres: s. Steckenborn

 

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