Vossenack

 

Vossenack (Erstbezeugung a. 1472 Voyssnacken)

Auf dem west-östlich verlaufenden Höhenzug zwischen Bosselbach und Kalltal gelegen, ist Vossenack aus einem Manngut (Lehnshof) des Herzogs von Jülich hervorgegangen, das die Erbmarschälle von Jülich bzw. ihre Nachkommen innehatten. Die Hofgründung fällt in die 30er Jahre des 15. Jahrhunderts, als das Monschauer Land endgültig als Amt zum Herzogtum Jülich kam.

Die langgestreckte Geländeform hat das Motiv für die Namengebung ('Fuchsnacken') geliefert; mit der Siedlungserschließung im Waldgeleit ist die ursprüngliche Flurbezeichnung zum Siedlungsnamen geworden.

Römerzeitliche Funde auf dem nördlich des Bosselbachs im Verlauf der B 399 gelegenen Höhenzug deuten auf eine Straßenverbindung aus dem Raum Düren nach Konzen hin, doch ist der Straßenverlauf bisher nicht genauer identifiziert. Siedlungskontinuität mit weiteren römerzeitlichen Fundstellen der Vossenacker Flur besteht nicht. Das bewaldete Gebiet ist demnach erst im späteren Mittelalter, wohl vom Dürener Raum im Nordosten her, erneut erschlossen worden.

Im Rahmen der Bestrebungen nach ortsnaher kirchlicher Versorgung kam es 1719 zu einem ersten Kirchenbau (St. Joseph) als Rektorat unter der Mutterpfarre Simmerath. Trotz der Zugehörigkeit zu Simmerath hatten sich die Bewohner von Vossenack jedoch früher faktisch weitgehend auf die näher gelegene, wenn auch nicht "zuständige" Kirche in Bergstein orientiert. Die weiteren Stationen der Pfarrorganisation sind: 1804 Pfarre im Kanton Monschau, 1827 zum Dekanat Monschau, 1952 zum Dekanat Simmerath, 1973 zum Dekanat Kreuzau. Im Zuge der Kirchbauwelle der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt auch Vossenack 1868/69 einen neugotischen Bau (Turm 1892/93), der nach der Kriegszerstörung in vereinfachter Form 1952/53 wieder errichtet wurde.
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Kirche Vossenack - ca 1940

1945

In der preußischen Kommunalordnung kam Vossenack 1816 mit Simonskall zur Bürgermeisterei Schmidt, bildete ab 1851 eine Samtgemeinde mit Schmidt und kam 1936 als Gemeinde zum Amt Simmerath. Bei der Auflösung des Kreises Monschau 1972 wurde Vossenack Teil der Gemeinde Hürtgenwald im Kreise Düren. Diesem Gemeindenamen entspricht kein Ortsname unter den zugehörigen Siedlungen. Der Name Hürtgenwald ist eine Parallelbildung zu englisch Huertgen Forest und hat erst durch die Literatur zur Herbstschlacht 1944 in diesem Raum Verbreitung erfahren.

In den schweren Kämpfen ab Mitte September 1944 bis Februar 1945 im Raum Zweifall - Hürtgen - Vossenack - Schmidt wurde Vossenack vollständig zerstört (Soldatenfriedhöfe sind am westlichen Ortsrand und am Ortsausgang von Germeter [nach Hürtgen] angelegt). In dem verwüsteten Waldgebiet westlich von Vossenack entstand seit 1951 die Bauernhofsiedlung Raffelsbrand.

Nach Planungen, die bis 1962 zurückreichen, wurde 1967 in der Nähe des Soldatenfriedhofs das von einem Franziskaner-Konvent getragene St. Franziskus-Gymnasium eröffnet.

Zu Vossenack gehört Simonskall im Kalltal, wo Simon Kremer auf der Grundlage einer älteren Konzession (1608) seit 1612 eine Eisenhütte (ab 1622 im Alleinbesitz) betrieb, die mit Unterbrechungen bis 1816 produzierte (seit 1741 durch die Familie Hoesch). Das Ortsbild wird durch noch erhaltene repräsentative Bauten des 17. Jahrhunderts bestimmt.

H. Tichelbäcker: Vossenack. Marschallhof und Dorf im Land Monschau, Hürtgenwald : Geschichtsverein Hürtgenwald e.V. 1992; H. Tichelbäcker: Vossenack - vom freien Marschallhof zum Dorf im Amt Monschau, ML 32 (2004) S. 50-58; Th. Schreiber: Vossenack im Spiegel amtlicher topographischer Karten, ML 24 (1996) S. 82-97; R. M. Müller: Der Krieg, der nicht sterben wollte. Monschau 1944/45. Berichte amerikanischer und deutscher Zeitzeugen, Monschau - München : Universitas Verlag 2002; W. Wilden: Geschichte des Franziskus-Gymnasiums Vossenack, ML 36 (2008) S. 27-33

 

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