Woffelsbach

 

Woffelsbach (Erstbezeugung a. 1516 Wolffelssauwell; a. 1676/77 das dörflein Woiffelsbach)

Woffelsbach liegt als beliebter Fremdenverkehrsort am Ufer des Rurstausees Schwammenauel, teilweise auf einer weit in den See ragenden Landzunge. Das Grundwort -auel des ältesten Namenbelegs weist darauf, dass die Anfänge der Siedlung weiter unterhalb in der Talaue des Rurtals gelegen haben, wo weitere Siedlungsplätze dieses Namentyps vom Stausee überflutet worden sind (s. Eschauel, Weidenauel u.a.). Das Bestimmungswort des Ortsnamens entspricht dem von Steckenborn herabfließenden Wolfsbach.

Der Erstbeleg findet sich im Monschauer Landrecht von 1516, wo das Dorf zusammen mit den Rurtal-Höfen Berwinkel (Beyrwynckell) und Eschauel (s. dort) der Bannmühle an der Kall zugewiesen ist. Wegen der weiten Entfernung zur Kallmühle ist jedoch 1676/77 für die drei Siedlungen eine eigene Mühle eingerichtet worden. Da die Mühle am Weidenbach in der Bürgermeisterei Rurberg lag und über eine Konzession der französischen Verwaltung verfügte, wird nicht sie, sondern die im Stausee versunkene Mühle am Schilsbach (älter Schildsbach) die Mühle von 1676/77 gewesen sein, wenn auch die Nachricht der Rentmeisterrechnung ausdrücklich in der Woiffelsbach sagt. Wie die einzelnen Ortsteile von Steckenborn wird auch Woffelsbach nicht lange vor der ersten schriftlichen Bezeugung im Lauf des 16. Jahrhunderts entstanden sein, als auch der weitere Talgrund der Rur im Osten des Amtes Monjoye aufgesiedelt wurde.

Wegen der späten Entstehung hat Woffelsbach von Anfang an zur Pfarrkirche Simmerath im „unteren Kirchspiel“ gehört. Anders als bei einer Reihe von Orten des östlichen Amtes (besonders Kesternich und Dedenborn) sind im Verzeichnis der geflohenen Täufer von 1597/98 keine Personen aus Woffelsbach genannt. Vielmehr hatte sich dort, ähnlich wie in Einruhr, eine eigene Täufergemeinde gehalten, die sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts den Reformierten angeschlossen hat. Sie hatte einen eigenen Friedhof; noch 1732 bekannten sich 6 Familien zur reformierten Gemeinde in Gemünd. Die Herkunft der Woffelsbacher Reformierten aus einer Täufergemeinde bezeugt eine Eingabe an die Synode 1697 in Düren, in der sie aufgrund ihrer täuferischen Tradition fordern, beim Begräbnis ein Kapitel aus der Heiligen Schrift öffentlich vorlesen zu dürfen.

Nach Einrichtung einer Pfarre Rurberg 1804 im ersten Bistum Aachen wurde Woffelsbach mit Brewershof und Wildenhof dieser zugeteilt, nachdem Rurberg mit einer Kapelle schon 1701 als Rektorat unter Simmerath eingerichtet war. Schließlich erhielt Woffelsbach auch ein Kirchengebäude: eine Kapelle (benediziert 1912) zum hl. Wendelin.

In der ersten preußischen Kommunalordnung von 1816 kam Woffelsbach mit Hechelscheidt, Rauchenauel und Seifenauel zur Bürgermeisterei Dedenborn; die eigenartige Konstruktion wurde 1850 mit Rurberg und seinen Teilen zur Gemeinde Rurberg vereinigt.

In Woffelsbach bestand traditionellerweise die Einrichtung einer Personenfähre über die Rur bzw. den Rursee der ersten Ausbaustufe zum gegenüber liegenden Kermeter.

Auf diesem Wege sind Anfang November 1944 die Bewohner von Woffelsbach, aber auch Einwohner von Steckenborn und Strauch vor der heranrückenden Front ausgewichen. Der Fährmeister blieb bis zum Einrücken amerikanischer Truppen Anfang Februar 1945 im gegenüber liegenden Eschbachtal.

Wie am Obersee die Dörfer Einruhr und Pleushütte, so sind am Stausee Schwammenauel auch Woffelsbach und Rurberg durch die Aufstockung 1958 vollständig umgestaltet worden. Das alte Woffelsbach ist weitgehend im Stausee untergegangen. Das ursprüngliche Bauerndorf ist zum modernen Fremdenverkehrsort mit Beherbergungsbetrieben, Campingplätzen und Anlagen zum Wassersport umgestaltet worden. Weitere Anlagen finden sich weiter rurabwärts am Seeufer im Schilsbachtal (Jugendferienheim des Eifelvereins) und am Wildenhof.

Weiteres: s. Rurberg, Eschauel, Hechelscheidt

 

Literatur: H. Steinröx: Ergänzungen zur Geschichte der Bann-Mühlen im Amte Monschau, ML 11 (1983) S. 50-53; W. Günther: Das Rurseebgebiet in der Geschichte, ML 4 (1976) S. 146-155; Th. Schreiber: Das obere Rurtal im Spiegel amtlicher topographischer Karten, ML 20 (1992) S. 87-104

 

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